Viel ist seit einiger Zeit von der Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse die Rede. Bezeichnet werden hiermit individuelle und strukturelle Instabilitäten, die der Umbau rechtlich-sozialer Sicherungssysteme in Zeiten des globalisierten Kapitalismus und der neoliberalen Selbstoptimierung mit sich bringt.
Gemeint sind auch eine existenzielle Gefährdetheit und radikale Verwundbarkeit, die alle Menschen teilen, die aber aufgrund politischer Machtverhältnisse Menschen fundamental ungleich trifft. Nicht-weiße, nicht-männliche, nicht-westliche, nicht-heteronormative, nicht-genug verdienende Subjekte teilen eine größere Verletzungsoffenheit als Angehörige so genannter Dominanz- positionen. Prekär zu leben heißt, von der Toleranz anderer abhängig gemacht worden zu sein.
Aktuelle Debatten in den Künsten, der Visuellen Kultur, den Kunst-, Theater- und Medienwissenschaften, der Philosophie sowie den Gender Studies zeigen, wie Repräsentationssysteme diese Unsicherheitsverhältnisse zur Aufführung bringen, mitstrukturieren, verfestigen, aber auch Interventionen ermöglichen.
Auf der Tagung „Sicherheitslos“ diskutieren Akteur_innen und Wissenschaftler_innen über mediale Facetten des Prekär-Seins als Zwang, aber auch als Chance und Möglichkeitsbedingung für eine radikalere Demokratie, in denen die Freiheit der einen nicht mehr – oder zumindest weniger und sich dessen kritisch bewusst – auf der Verletzbarkeit anderer basiert.
Konzeption: Linda Hentschel, Miriam Dreysse zusammen mit Kerstin Brandes und Caroline Schubarth
Programm Freitag, 28.10.2011
Begrüßung
15.00
15.30 – 16.30
Renate Berger
Ambivalenzen – Berührungsmotive in Kunst und Fotografie. Eine Zeitreise
16.30 – 17.30
Sigrid Ruby
Die Lust am Prekären. Gefallene Frauen der Kunstgeschichte
18.00 – 19.00
Laurence A. Rickels
Anti-Gone: Our Kinship with the Departed
Programm Samstag, 29.10.2011
9.30 – 10.30
Katharina Pewny
Transnationale Projektionen des Prekären (im europäischen Gegenwartstheater)
10.30 – 11.30
Bernadette Loacker
Jenseits von Zwang, Unterwerfung, Freiheit und Kritik: Ethische Selbstformierungsprozesse von Theaterschaffenden
12.00 – 13.00
Judith Siegmund
Was ist das Andere des Prekären? Überlegungen zu prekärer Arbeit heute
15.00 – 16.00
Christoph Wachter & Mathias Jud
„Enough is enough“. Das Kunstprojekt Hotel Gelem – Teilnehmen an den prekären Lebensumstaänden der Sinti und Roma
16.00 – 17.00
Susanne Lummerding
Identität[s]_Kritik beanspruchen – no risk no pun
17.30 – 18.30
Karin Bruns
„Claims“ und „Challenges“: Mediale Normalisierungspolitik und Prekarität in Casting-Formaten und Scripted Reality